Dienstag, 4. Dezember 2007

Sehnsucht

So ist hier mein erster Text, zu dem ihr mir Anregungen schicken dürft und natürlich auch sollt. Ich hab ihn schon auf meinem eigenen Blog steht, aber hier sollte er noch einmal gesondert sein. Also: Bitteschön! Ach und er ist auf keinen Fall fertig, sondern ist nur der Anfang etwas wahrscheinlich größeren...
„Kennst du es, wenn dich auf einmal so eine völlig unbestimmte Sehnsucht überfällt? Du spürst einfach, dass dir etwas fehlt, hast aber keine Ahnung, was das sein könnte?“, sagte ich und durchbrach damit die Stille, die zwischen mir und Christian geherrscht hatte. Wie immer, wenn ich dergleichen sagte, schaute er mich nur völlig verständnislos an und schüttelte den Kopf. Er hatte einfach keinen Sinn für Philosophisches und das meine ich nicht einmal negativ. Christian war lediglich Realist, für ihn war nur das wirklich existent, was er sehen, anfassen konnte.
Ich richtete mich auf und befreite mich von seinem Arm, der um mich gelegen hatte. Ich schaute ihn an an, aber er war bereits wieder auf das Fernsehprogramm fixiert. Es war unglaublich, dass ich ihn liebte und noch mehr , mit welcher Intensität ich dies tat. Ich wusste, dass seine Liebe niemals mit der, die ich für ihn aufbrachte, zu vergleichen war. Aber ebenso wusste ich auch, dass er nie zu mehr fähig sein würde, eben weil er ein solcher Realist war.
Ich bereute es nicht, ihn geheiratet zu haben. Als er mir den Antrage machte, war ich völlig überrascht gewesen. Ich dachte, er würde niemals heiraten wollen. Natürlich wollte ich immer heiraten, aber als ich Christian kennengelernt hatte und damit meine ich ihn nicht nur als Person, sondern sein Wesen, da habe ich aufgehört zu träumen und war damit zufrieden, was ich hatte. Ich lernte ihn zu lieben, trotz oder vielleicht gerade eher wegen dieses Wesenszuges, der in absolutem Gegensatz zu meinem steht. Ich bin und war schon immer ein Träumer, das gab ich auf, für ihn. Wenigstens die meiste Zeit, aber manchmal war ich trotzdem einfach, wer ich war. Wie in eben diesen Momenten, dann reagierte Christian so, wie er eben reagiert hatte und ich bereute es, etwas gesagt zu haben. Trotz allem war ich glücklich, wir wollten bald auch Kinder. Christian war der Meinung, dass es dafür zu früh sei, aber da hatte ich beschlossen, dass ich mich durchsetzen würde. Er war ja nicht generell dagegen, nur der Zeitpunkt passte ihm nicht. Er meinte, er wollte noch ein bisschen arbeiten, bis er befördert würde und so genug Geld beiseite legen. Nagut sollte er doch, innerhalb von neun Monaten war genug Zeit dafür. Ich hatte bereits geplant, wie ich es machen wollte, die Pille absetzen und wenn es denn soweit war, konnte ich ihm sagen, dass ich sie einfach nur vergessen hatte.
Bereits im nächsten Monat war es soweit, ich starrte den Schwangerschaftstest an und wusste nicht, ob ich mich freuen oder verzweifeln sollte. Wie immer, wenn das, was ich mir lange erträumt hatte, Realität wurde, war ich völlig hilflos. Träume sind etwas schönes, aber wenn sie in Erfüllung gehen, sieht man sich plötzlich den Problemen ausgesetzt, die damit zusammenhängen und an die man vorher nicht gedacht hat. Wie sollte ich Christian das nur beibringen? Er würde ausrasten oder nicht? Ich war so unsicher. In ebendiesem Moment klopfte es an die Badezimmertür mit einer solchen Lautstärke, das ich zusammenzuckte und beinahe den Test fallen ließ. „Annika, was machst du da so lange drin?“ Nun musste ich meinem Mut zusammennehmen, ich musste es ihm eh sagen, warum also sollte ich es dann noch länger aufschieben? Zitternd stand ich auf und ging zur Tür. Ich streckte die Hand nach dem Schlüssel aus und sie verharrte einen Moment direkt vor ihm. Mit einem Ruck drehte ich dann den Schlüssel um und ließ Christian hinein. In diesem Moment war ich plötzlich wieder völlig gefasst, meine Miene war völlig ruhig und als ich zufällig in den Spiegel schaute, erschrak ich über die Ruhe, fast schon Teilnahmslosigkeit, die in meinem Gesicht lag. Christians Gesicht stand in völligem Gegensatz dazu, er fürchtete sich vor dem, was ich ihm sagen würde. Ich konnte nicht sagen, ob er ahnte, was es war.

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